TEST: Orange Crush Pro – verspieltes Hardtail mit Allround Stärken

ORANGE CRUSH

Während hierzulande die Trails fest in der Hand der Fullys sind, haben in Großbritannien Trail-Hardtails eine lange Tradition. Ein ganz klassischer Vertreter dieser Kategorie ist das Orange Crush. Mit verspieten 650B Laufrädern, einem flachen Lenkwinkel und 150mm Federweg scheint das Alu-Rad einiges an Spaß im Downhill zu garantieren.

Orange Bikes aus Nordengland ist zweifellos ein besonderer Fahrradhersteller. Über all die Jahre, die sie mittlerweile vor allem im MTB-Bereich aktiv sind, konnten die Briten ihre Grundsätze bewahren. Viele dürften mit Orange den fast schon ikonischen Eingelenker-Hinterbau verbinden, doch auch Hardtails gehören schon seit einiger Zeit fest zum Programm; das Crush bildet dabei den günstigsten Einstieg. Erhältlich als 650b (Crush) und 29er (Crush 29), basiert das Bike auf einem modernen Alu-Rahmen, der in vielen kleinen und großen Details die Erfahrung der Engländer widerspiegelt. Da wäre zum einen die Tatsache, dass – abgesehen von der Dropper Post – sämtliche Leitungen und Züge außen am Rahmen verlaufen. Oldschool? Das kann man so oder so sehen: Orange beweist hier ein Herz für Schrauber, denn so spart man sich bei Wartung und Reparaturen wertvolle Zeit. Außerdem kann im Rahmeninneren nichts klappern – was also optisch vielleicht nicht ganz so elegant ist, erleichtert das Leben im Biker-Alltag. Schön außerdem, dass man dem Crush eine vollwertige ISCG 05 Aufnahme am Tretlager spendiert, wo man eine ausgewachsene Kettenführung anbringen kann. Auch wenn die modernen Kettenblätter kaum noch Abwürfe produzieren, wissen wir diese Option gerade am Hardtail sehr zu schätzen.

Das Crush Pro – kurz und schmerzlos:

  • 27.5″
  • Hardtail
  • Aluminium
  • Fox 34, 150 mm
  • Preis: 2.700 Euro

Unser Crush Pro Testmodell kommt mit 650b Laufrädern und einer 150 mm Gabel an der Front. Letztere zeigt schon, dass das Crush kein trailtaugliches Tourenhardtail ist, sondern ein tourentaugliches Trailhardtail – das beweist auch die üppige Reifenfreiheit: Orange sagt, im Hinterbau haben 2,6 Zoll Pneus Platz, unser Auge sagt, da würde sogar noch mehr gehen. Jedenfalls muss man sich auch bei einer ordentlichen Schlammpackung keine Sorgen machen, dass der Reifen irgendwie steckenbleibt.

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Entsprechend der Gesamtausrichtung des Orange Crush Pro ist auch die Geometrie klar auf den Trail-Einsatz und anspruchsvolles Gelände abgestimmt.  Zum sehr flachen 64° Lenkwinkel gesellt sich ein geräumiger Hauptrahmen, der in Größe L 465 mm Reach mitbringt und damit viel Bewegungsspielraum bietet. Auffällig ist der sehr hohe Stack, mit dem man trotz der Länge des Rahmens nicht zu gestreckt sitzt – fraglich ist nur, ob man so auch noch genügend Druck auf’s Vorderrad bringt, wenn nötig.

SMLXL
Sitzrohr (in mm)381432457508
Oberrohr horizontal (in mm)605627648672
Steuerrohr (in mm)100110120130
Kettenstrebe (in mm)430430430430
BB Drop (in mm)58585858
Radstand (in mm)1179120312281252
Lenkwinkel (in °)64646464
Sitzwinkel (in °)74747474
Reach (in mm)425445465485
Stack (in mm)625635643652

Gut durchdachte Ausstattung mit sportlichem Preis

Das von uns getestete Orange Crush Pro ist das „Mittelklasse“-Modell der Crush-Reihe; angesichts dessen und auch angesichts des Alu-Rahmens scheint der Preis von 2.700 Euro ziemlich sportlich. Andererseits: Orange ist nun auch nicht unbedingt ein Hersteller, der über einen niedrigen Preis seine Fans erreicht. Stattdessen bekommt man eine von A bis Z solide und gut durchdachte Ausstattung mit dem einen oder anderen Highlight. Die Fox 34 Gabel in der Performance Variante ist eine alte Bekannte und kann mit einfachem Setup und überzeugender Performance punkten. Dass im Gegensatz zu den höherwertigeren Versionen die Dämpfer-Performance etwas abfällt, dürfte nur – Hand auf’s Herz – auf dem Trail nur den wenigsten wirklich auffallen.

Beim Antrieb gibt es solide Hausmannskost: Das GX Eagle Schaltwerk wird von einem SX Eagle Schalthebel bedient. Die Kette wechselt die Ritzel auf einer SX Eagle Kassette, die leider mit 11-50 etwas weniger Bandbreite bietet als „ausgwachsene“ Eagle Varianten und zudem noch sehr schwer ist. Hier hätten wir uns angesichts des Preises dann doch zumindest eine GX Eagle Kassette gewünscht. Erfreulich sind dagegen die leichten Laufräder mit hauseigenen Naben und WTB ST Light i30 Felgen. Letztere sind tubeless-fähig und halten mit ihrer 30er Maulweite auch breite Reifen zuverlässig. Apropos Reifen: Hier machen die Briten wenig Kompromisse und spendieren dem Crush einen grip-starken Maxxis Minion DHF in 2,6″ Breite an der Front. Dass das Treten nicht gar so schwer fällt, kommt dann am Hinterrad mit dem Rekon+ ein etwas zahmerer Pneu zum Einsatz.

Keine Blöße gibt sich das Crush außerdem beim Thema Bremsen. Die 4-Kolben Variante der Shimano SLX bringt eine Menge Power mit, zumal sie am Vorderrad mit einer großen 203 mm Scheibe kombiniert wird. Ein kleines Highlight ist für uns die Tellis Stütze aus dem Hause SDG, die 150 mm Verstellweg bietet und deren Remote-Hebel sich fast widerstandsfrei betätigen lässt.

Rahmen:6061-T6 Custom Butted
Gabel:Fox 34 Performance 150 mm
Laufräder:WTB ST Light i30 Felgen / Strange 27 Naben
Reifen VR:Maxxis Minion DHF 2,6"
Reifen HR:Maxxis Rekon+ 2,6"
Schaltwerk:Sram GX Eagle
Schalthebel:Sram NX Eagle
Kurbel:Sram Descendant 6K Dub
Bremsen:Shimano SLX M7120
Bremsscheiben:Shimano RT66 203 / 180mm
Sattelstütze:SDG Tellis Dropper 150 mm
Sattel:WTB Silverado Comp
Vorbau:Race Face Chester 40 mm
Lenker:Burgtec RideWide Enduro 800mm
Preis:2.700 Euro

Bodenprobe: Das Crush auf dem Trail

Lang, flach und tief – so kennt man Bikes von der britischen Insel. Und so empfing uns das Orange Crush Pro gleich auf den ersten Blick. Danach folgte die erste Überraschung: 27.5 Zoll! Wie sich die „kleinen“ Laufräder auf das Fahrverhalten auswirkten, sollte sich schnell zeigen.

Nach dem ersten Kennenlernen war das Setup schnell gefunden. Die Fox 34 Performance war kinderleicht angepasst: Sag (Negativfederweg) über den Luftdruck wählen, Rebound (Zugstufe) anpassen und los. Über den Druckstufen-Versteller kann dann noch – je nach persönlicher Vorliebe – die Charakteristik angepasst werden: Von geschmeidig-soft bis straff mit ordentlich Feedback (kräftige Unterarme vorausgesetzt). Alle Tester haben sich auf Anhieb auf dem Orange wohlgefühlt; die Sitzposition ist sportlich-modern, ohne auf Einsteiger ggf. befremdlich zu wirken. Also ab in den Uphill!

ORANGE CRUSH

Schon nach den ersten Metern war klar: Das Orange Crush Pro klettert verdammt gut! Im Steilen hat man selten ein „Überschlagsgefühl“ und kann selbst mit der doch recht langen Gabel (150mm Federweg) noch ordentlich Druck auf das Vorderrad geben. Die Reifenwahl ist ein guter Kompromiss aus Traktion und Rollwiderstand – selbst auf glattem Untergrund. Orange verzichtet am Heck auf maximale Traktion und verringert mit dem leichter rollenden Maxxis Rekon+ den Tretwiderstand. Der 12-fach Antrieb aus dem Hause Sram zeigte sich tadellos und verwöhnte uns mit knackigen Schaltvorgängen. Schade: Orange spart an der Kassette und verbaut eine Sram SX Eagle. Aufgrund der etwas geringeren Bandbreite vermisst man bei hohen Geschwindigkeiten mitunter einen Gang und so recht passt die „Einstiegskassette“ auch nicht zum UVP von fast. 3.000 Euro.

Im Downhill zeigte das Orange Crush Pro dann starke Parallelen zum Marin El Roy und man merkte auf Anhieb, dass der Spaß definitiv im Vordergrund steht! Die Geometrie vermittelt eine hohe Sicherheit, selbst oder gerade wenn das Tempo etwas höher wird. Agilität? Hier kommen die anfangs neugierig begutachteten 27.5 Zoll Laufräder ins Spiel! Denn trotz seines guten Geradeauslaufs, wechselt das Crush willig seine Richtung und treibt einem auf technischen Trails förmlich ein Grinsen ins Gesicht. Wie bereits erwähnt, ist die Reifenwahl ein Kompromiss aus Rollwiderstand, Dämpfungseigenschaften und Traktion. Wer konsequent und ohne Rücksicht auf Verluste die direkte Linie wählt, sollte über einen Hinterreifen mit stabilerer Karkassen und somit besserem Pannenschutz bzw. Dämpfungseigenschaften nachdenken. Die 34er Fox Performance saugt Unebenheiten konsequent auf und ihre Dämpfung lässt sich nur bei absolutem Highspeed an ihre Grenzen bringen; dann ist der „starre“ Hinterbau eines Hardtails aber auch schon längst an seiner Grenze. Die 4-Kolben Stopper von Shimano hingegen zeigten sich durchwegs positiv und konnten hinsichtlich Bremskraft, Standfestigkeit und Dosierbarkeit überzeugen.

Das Orange Crush Pro ist konsequent auf maximalen Fahrspaß getrimmt. Durch die moderne aber nicht extreme Geometrie und scheut es auch nicht vor Toureneinsätzen zurück. Ein tolles Spaßgerät mit Allround-Eigenschaften!

ORANGE CRUSH

Mehr Informationen zum Crush findet ihr auf: www.orangebikes.co.uk

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VIDEO: Rachel Strait über Sponsoren, Schwangerschaft und den Profi-Sport

In „Don’t define me“ erzählt Rachel Strait über ihre Schwangerschaft als Pro-Athletin und ihre Angst, dass Sponsoren davon nicht angetan sein könnten. Wie sie die Balance zwischen Muttersein und Sport hält, wird von Heather Young und Luca Cometti in dem neuen Video festgehalten.

Journey with Rachel Strait, as she navigates the balance between being a professional athlete and motherhood in the latest production from DEITY, ‚Don’t Define Me‘.

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TEST: Radon Swoop 9.0 – Park-Enduro zum fairen Preis

Mit dem Swoop 9.0 hat Radon keinen Stein auf dem anderen gelassen. Die Kinematik, Dämpferanlenkung und das Design wurde neu überdacht und den modernen Ansprüchen angepasst. Wir konnten das Freeride-Bike mit 170mm Federweg für euch testen. Alle Infos findet ihr hier. 

Im letzten Jahr wurde das neue Swoop vorgestellt. Dabei hat sich Radon auf eine moderne Geometrie und viel Federweg konzentriert. Dem Swoop wurden 170mm Federweg, 29″ Laufräder und eine gute Ausstattung für einen fairen Preis verpasst.

Mittlerweile kann man ja gar nicht mehr sagen ob es sich bei einem flachen Lenkwinkel und 170mm Federweg um ein Enduro Mountainbike oder Freeride-Bike handelt. Die Grenzen verschmelzen da recht schnell. Vielleicht können wir euch ja mit Hilfe unseres Tests ein bisschen Orientierung geben und euch sagen wo das Swoop glänzt und wo es vielleicht noch ein bisschen Nachholbedarf hat.

Optik und Features

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Optisch ist das Design des Radon Swoop sehr clean. Eine Farbe für Front und Hinterbau wird kombiniert mit schwarzen Decals und fast ausschließlich schwarzen Komponenten. Das uns zur Verfügung gestellte Swoop kommt in einer Tan/Olive Variante. Das Bike ist auch noch in zwei anderen Farbgebungen erhältlich. Diese sind aber abhängig von der Ausstattungsvariante.

Leider ist im Rahmen des Swoop kein Platz für eine Trinkflasche. Auch auf einen Mount für Tools, oder ähnliches wurde verzichtet. In einer Zeit in der der Enduro Sport dominiert, ist das fast schon Schade. Natürlich lässt das Dämpferdesign nicht genügend Platz im Rahmen, aber auch ein Freerider braucht mal einen Schluck Wasser und will nicht immer einen Rucksack mit auf die schnelle Runde nehmen.

Radon Swoop

Geometrie – Modern aber nicht überfordernd 

Wir haben das Swoop in der Größe L zur Verfügung gestellt bekommen. Kleine Fahrer*innen könnten hier tatsächlich etwas alt aussehen da es das Radon nur in den Größen M – XL gibt. Zwar fällt die Geometrie nicht zu modern-lang aus und somit liegt der Reach beim M Rahmen bei „nur“ 450mm, jedoch ist auch das für viele kleine Fahrer*innen noch zu lang.

Unser Testmodell kommt auf einen Reach von 470mm, einen Lenkwinkel von 63,5° und eine  Kettenstrebe von 437mm. Der Sitzwinkel liegt bei knapp 76°.

RahmengrößeMLXL
Oberrohrlänge horizontal595 mm / 591 mm618 mm / 614 mm642 mm / 638 mm
Reach450 mm / 454 mm470 mm / 474 mm490 mm / 494 mm
Lenkwinkel65° / 63,5°65° / 63,5°65° / 63,5°
Kettenstrebenlänge438 mm438 mm438 mm
Sitzwinkel76°76°76°
Steuerrohrlänge100 mm110 mm120 mm
Radstand1215 mm / 1234 mm1239 mm / 1258 mm1263 mm / 1283 mm
Tretlagerabsenkung25 mm / 29 mm25 mm / 29 mm25 mm / 29 mm
Stack623 mm / 618 mm631 mm / 626 mm641 mm / 636 mm

Komponenten und Ausstattung

Kommen wir zum spannenden Teil, denn das Radon Swoop kostet „nur“ 3.099 Euro. Das ist zur aktuellen Zeit ein Preis den man bei einem solchen Fullsuspension-Bike mit 170mm Federweg eher selten sieht.

Radon setzt bei der 9.0 Variante auf ein Fahrwerk aus dem Hause Rockshox. An der Front arbeitet die ZEB Select mit Charger RC Kartusche und stabilen 38mm Standrohren. Am Heck soll der Rock Shox Super Deluxe Select+ Dämpfer für tolle Performance sorgen. 

Magura

Schön zu sehen ist, dass man bei Radon ausnahmsweise nicht auf die Bremsen der zwei großen Marken setzt, sondern dem Swoop ein Satz Magura MT5 verpasst. Erfahrungsgemäß ist eine Einbremsphase nötig, aber dann lassen die Stopper einen nie im Regen stehen.

Radon Swoop

Bei der Schaltung wird ein Sram NX Eagle Schalthebel mit Sram GX Eagle Komponenten kombiniert. Die 12-Fach Schaltung verfügt über eine Kassette mit 10-52 Zähnen.

Weitere Komponenten wie Vorbau und Lenker kommen von Race Face. Die Sattelstütze ist eine Radon Competition Dropper mit 150mm Hub in der Rahmengröße L.

Weitere Varianten

Das Swoop 9.0 ist die Einstiegsvariante. Wer etwas mehr ausgeben mag kann noch zwischem dem 10.0 mit Fox 38 Performance Elite FIT GRIP 2 Gabel und dem 10.0 HD mit Fox Factory Fahrwerk wählen. Das 10.0 HD kommt dabei auf 4.399 Euro.

Radon Swoop 9.0Radon Swoop 10.0Radon Swoop 10.0 HD

Radon Swoop

  • Gabel: Rock Shox ZEB Select Charger RC
  • Dämpfer: Rock Shox Super Deluxe Select+
  • Bremsen: Magura MT5
  • Schaltung: SRAM GX Eagle
  • Laufräder: DT Swiss E1900 Spline Laufradsatz
  • Reifen Vorne: Schwalbe Magic Mary, Addix-Soft, Super Trail, TLE, 29″ x 2.4″
  • Reifen Hinten: Schwalbe Big Betty, Addix-Soft, Super Trail, TLE, 29″ x 2.4″
  • Preis: 3.099 Euro

  • Gabel: Fox 38 Performance Elite FIT GRIP 2
  • Dämpfer: Fox Float X2 Performance 2-pos.
  • Bremsen: Shimano XT BR-M8120 Bremsen
  • Schaltung: Shimano SLX
  • Laufräder: DT Swiss EX1700 Spline 29
  • Reifen Vorne: Maxxis Minion DHF 3C, Maxterra, EXO+, TR, 29″ x 2.5″ WT
  • Reifen Hinten: Maxxis Minion DHR II, 3C, Maxterra, EXO+, TR, 29″ x 2.4″ WT
  • Preis: 3.699 Euro

  • Gabel: Fox 38 Factory FIT Grip2
  • Dämpfer: Fox Float X2 Factory 2-Pos
  • Bremsen: SRAM Code RSC
  • Schaltung: SRAM X01 Eagle
  • Laufräder: Newmen Evolution SL A.30
  • Reifen Vorne: Maxxis Minion DHF 3C, Maxterra, EXO+, TR, 29″ x 2.5″ WT
  • Reifen Hinten: Maxxis Minion DHR II, 3C, Maxterra, EXO+, TR, 29″ x 2.4″ WT
  • Preis: 4.399 Euro

Radon Swoop

Das Radon Swoop 9.0 auf dem Trail

Um ehrlich zu sein fühlt man sich auf dem Swoop direkt wohl. Die Geometrie ist nicht zu lang gehalten und der Sitzwinkel weder zu steil oder zu flach. Die neuen Swoop Modelle setzen aber ihren Fokus auf den Downhill und das wirkt sich natürlich auf die Performance im Uphill aus. Denn hier kann das Enduro/Freeride Bike des Direktversenders nicht unbedingt mit allen anderen Mountainbikes der Kategorie mithalten. Aber will es das überhaupt?

Sobald wir oben sind, wird einem der Fokus des Swoop direkt klar. Dank des flachen Lenkwinkels und der 470mm Reachs verfügt das Enduro Bike über ordentlich Laufruhe. Auch bei gröberen Sektionen bügelt das Radon mit seinen 170mm Federweg gekonnt über Felsen und Wurzeln.

Die MT5 brauchen Magura typisch, wie bereits erwähnt, eine gewisse Einbremsphase bis sie ordentlich greifen, lassen dann aber fast keine Wünsche offen. Mit den 203mm Scheiben kommt man auch bei schnellen und steilen Abfahrten ordentlich zum stehen.

Wer sich jetzt aber denkt, dass das Swoop der perfekte Einstieg für die potentiellen Enduro-Karriere ist, wird eventuell enttäuscht sein. Zwar bügelt das Swoop ordentlich und vermittelt einiges an Sicherheit, jedoch ist es nicht unbedingt das wendigste und flinkeste Fahrrad für Enduro-Racing und Single Trail Abenteuer.

Wer aber eh lieber im Bike Park unterwegs ist und gebaute und schnelle Strecken runter schießen mag, der dürfte mit dem Swoop einiges an Spaß haben. Wir haben ziemlich viel Zeit in der MTB Zone Geisskopf verbracht und hatten dort vor allem auf dem Flow-Trail und der Freeride Spaß auf dem Swoop. Da der Hinterbau nicht zu lang ist, geht das Bike gut durch enge Steilkurven. Auch auf Steinfeldern heißt es einfach draufhalten und drüber bügeln. Uns gefällt auch, dass wir jederzeit eine Downhillgabel an dem Freeride Bike des Direktversender verbauen könnten. Perfekt für die nächste Bike Park und Trail-Center Saison.

Für einen Preis von 3.099 Euro, Carbonrahmen und passenden Komponenten haben wir nichts einzuwenden. Wer also den Local Dh Trail unsicher machen will, regelmäßig in Bikeparks ist oder gerne shuttelt, der sollte sich das Swoop näher ansehen.

Radon Swoop

www.radon-bikes.de

 

2021 Video Collection – Das Beste des Jahres

Die Szene wurde 2021 mit Mountainbike Edits fast schon überschwemmt. Cavlin Huth präsentierte gleich drei große Video Projekte, Red Bull veröffentlichte neue Edits und Commencal produzierte einen Kracher nach dem anderen. Da ist es gar nicht so leicht den Überblick zu behalten und deshalb gibts es hier ein paar der besten Videos aus 2021.

Calvin Huth – Arthur

Calvin Huth hatte dieses Jahr ziemlich viel zu tun. Der Kanadier gehört seit einigen Jahren zu den begehrtesten Filmern der Gravity Szene. Mit Arthur hat er sich sein Traum Projekt erfüllt. Zusammen mit einigen Freunden hat er wunderschöne Action-Aufnahmen eingefangen, Kabelkameras verwendet und wunderschöne Landschafts- und Tieraufnahmen gefilmt. Untermalt wird das ganze mit einem extrem passenden Soundtrack von Michael Kiwanuka. Unser Favorit-Edit in diesem Jahr.

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Kilian Bron – Follow the Light

Wir hatten die Wahl zwischen Kilian Brons Switzerland Paradise und Follow the Light und haben uns für letzteres Entschieden. Follow the Light stellt die Schönheit der Landschaft, Kilians Fahrstil und die Verwendung von Licht in einem wunderschönen Video da. Dazu kommt die Kulisse von Kappadokien mit unzähligen Heißluftballons. Ein Must Watch!

Nach „Chasing Volcanoes“, „Our Tour de France“ und „Outdoor Synchrony“, begab sich Kilian Bron auf ein neues Abenteuer in die Türkei, ins Herz von Kappadokien! Zwei Wochen lang erkundete Kilian die einzigartige Landschaft der Region, auf der Suche nach der schmalsten Stelle, an der man die Steigeisen anlegen kann. Ein Projekt, das in einer ganz besonderen Atmosphäre stattfindet und … vom Licht bestimmt wird. Ein Sonnenuntergang über den Schluchten, beleuchtete Heißluftballons und die dämmrige Atmosphäre des Nahen Ostens … taucht mit Kilian Bron, Pierre Henni, Pierre Dupont und JB Liautard in dieses farbenfrohe Abenteuer.

 

Brandon Semenuk – Realm

Natürlich darf der Gott des Freerides in dieser Liste nicht fehlen. Brandon Semenuk hat mit Realm wiedermal ein Edit rausgehauen, dass die Eleganz seines Fahrstils und seine immense Trickkiste untermalt.

„Without the confines of a contest environment, Justin Wyper and myself had the opportunity to create our own Slopestyle haven and take some chances with this course build. Like any mountain bike trail or course, you work with the given terrain to make the best features imaginable. In this situation, we knew we wanted to create a course that would ride well top to bottom, but also offer up some opportunities for creativity along the way. We took our knowledge from previous builds and integrated some ‚wildcard‘ features with some more common slopestyle features to hopefully have a good balance of both.“ – Brandon Semenuk

 

Micayla Gatto – Contrast

In Contrast ist die Kanadierin Micayla Gatto an den schönsten Orten in British Columbia unterwegs. Von den verschneiten Trails in der Küstenregion bis hin zu staubtrockenen Jump-Lines in Kamloops haben wir hier den vollen Kontrast.

From the wet winter of coastal British Columbia to the hot, dry summer days of interior BC, Micayla Gatto’s pushes the Big Betty to the limit.

 

Gee Atherton – The Knife Edge

Es ist immer ein seidener Faden Stürze und Verletzungen von Extremsportler zu glorifizieren. Denn Gee Atherton hat mit seinem Knife Edge Edit ein Statement abgeliefert, dass ihm fast das Leben gekostet hat. Die britische World Cup Legende zeigt uns in diesem Video eine extrem anspruchsvolle Strecke auf einem Bergkamm die ihm mehrere Monate Reha und eine World Cup Saison gekostet hat. Nichts für schwache Nerven!

The Slate Line is the brand new edit from Gee Atherton, the World Champion mountain-biker renowned as one of the toughest and most daring riders in downhill mountain-biking. Following hot on the heels of his death-defying and spectacularly exposed “The Ridgeline” Gee tackles a new line at a disused slate quarry in Wales. In his constant quest to progress his extreme sport Gee sets out to conquer a moving mountain with one of the biggest gaps he’s ever jumped and a super-sharp surface where any mistake will not be forgiven. The slate line is mind-blowingly precarious and features some of the biggest gaps that Gee has ever ridden.

 

Brage Vestavik – X Games Real MTB

Kaum ein Athlet hat sich in diesem Jahr so in die Herzen der Szene eingebrannt wie Brage Vestavik. Der Norweger ist für extreme Sprünge, Drops und Gaps bekannt und vereint diese in seinem X Games Edit. Diese Action ist so stumpf, dass man Vestavik fast schon als den letzten Wikinger bezeichnen kann.

Watch Brage Vestavik and filmer/editor Oscar Kalsnes/Blur Media’s entry into Real Mountain Bike 2021, the all-video MTB contest brought to you by ESPN’s World of X Games. Vote for your favorite video at XGames.com/RealMTB, then tune in to ABC on April 24 to find out who won X Games gold.

Brett Rheeder – Continuum 

Eine weitere Legende des Freeride Sports! Brett Rheeder hatte siche 2021 etwas von der Bildfläche und der Teilnahem an Contests zurückgezogen, versorgte uns aber zum Ende des Jahres mit einem wunderschönen Video. In Continuum geht es um unendlichen Flow. Ein extrem schönes Edit mit vertuschten Cuts und sehr viel Style!

Everything is connected. Each ride is an extension of the one before. Each reentry is a transition to the next launch. Each experience builds on one another toward a flow state of endless progression. Only the settings and perspectives change along this continuum. In this film by Brett Rheeder and Harrison Mendel, the sequence of individual movements are all linked together as a cohesive collection, with each maneuver unique yet forming a coherent visual journey across ever-changing landscapes by maintaining a locked perspective. Creating this visual trick of relentless flow and seamless transitions from one scene to the next was a technical challenge for both rider and cinematographer, and it required intense planning and dedication from the entire team to work through these problems.

 

Korbinian Engstler – Insomnia 

Korbi is back! Der junge Allgäuer präsentiert mit Insomnia ein extrem stylischen Video, dass seinen Style mit schönen Aufnahmen kombiniert. Sein erstes großes Projekt hat er zusammen mit David Karg und Moritz Hübner auf seinen Homespots und im Bike Park Sölden gefilmt. Steeze, Flow und fette Aufnahmen in einem Video!

INSOMNIA features Korbinian „Korbi“ Engstler’s very own riding style and the visual experimentation of both filmmakers David Karg and Moritz Hübner in a piece of motion picture content that is rather unconventional for the bike industry and probably a bit too long for Instagram.

 

Girls gotta eat dirt

Delilah Cupp, Clare Hamilton und Avra Saslow zeigen uns in Girls gotta eat dirt wie viel Spaß Radfahren macht. Hier gibts Action auf den Trails, Bier, Bodenproben und drei sympathische Charaktere. 

The story of three best friends, roommates, and riding partners with a taste for the finer things. And plenty of dirt on their jorts.

 

Mark Matthews – Blueprint

Mark Matthews nimmt uns mit in den kanadischen Wald und zeigt uns die Entstehung eines Trails. In Blue Print kombiniert Matthews zusammen mit seinen Freunden die Arbeit die in der Erschaffen einer neuen Line steckt und hält das ganze in spannenden Aufnahmen fest. Good Vibes und schöne Landschaft garantiert.

Blueprint started with a simple idea – to show sections of trail come to life before the viewer’s eyes. Once we broke ground here in Cumberland, BC, the abundance of good dirt was the ultimate inspiration to challenge ourselves to build something that pushed our creativity further than we had planned. The corners were just asking to get stacked bigger, faster, and smoother! We visualized, developed, and pushed the limits to create something special for all riders to enjoy: a hand-built, blue square level flow trail you’ll want to lap all day long.

 

Markus Eder – The Ultimate Run

Sorry. Es ist kein Mountainbike Video, aber The Ultimate Run war ein absolutes Action-Sports Highlight in 2021. Markus Eder geht auf seinen Ski über Grenzen hinaus und lässt dabei seine extremen Tricks und Sprünge viel zu leicht aussehen. The Ultimate Run macht Laune auf Wintersport und Hohe Berge!

“Sometimes my mind goes kind of crazy about skiing and I ask myself, what if…?” – Markus Eder What if you could link every powder turn, every rail, every cliff drop, every comp run and every kicker nailed into one ultimate run? Well, Markus Eder did just that in ‘The Ultimate Run’! This is Markus’ Opus Magnum, a medley of face shots, massive tricks and even bigger drops, which was documented by Innsbruck based production company Legs of Steel over the past two years. Markus has been visualizing the ultimate run since 2015. It may look like a simple undertaking in the final edit, but for arguably the most versatile skier on the planet, it meant taking his skill levels in every form and style of contemporary freeskiing to the next level.

 

 

Mountainbikes für Kids – Cube Stereo 140 HPC Rookie und Stereo 240

Nicht nur die alten Hasen haben Spaß auf den Trails auch der Nachwuchs interessiert sich immer mehr für den Mountainbike Sport. Cube präsentiert aus diesem Grund seine Stereo Modelle für Kids und Jugendliche mit Vollfederung, interessanten Komponenten und einer angemessenen Geometrie.

In einer Zeit in der viele Kids dank Athleten wie Fabio Wibmer und vielen Social Media Stars auf den Mountainbike Sport aufmerksam werden, präsentieren auch immer mehr Fahrradhersteller wirklich Offroad geeignete Bikes für den Nachwuchs. Wie stellen euch hier gleich zwei Modelle von Cube vor.

Bei unserem Hausbesuch vor wenigen Wochen im schönen Fichtelgebirge durften wir ein bisschen durch den großen Showroom der deutschen Marke stöbern. Dabei ist unser Blick auf zwei Kinder-/Jugendrädern hängen geblieben.

Cube Stereo

Cube Stereo 240

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Zwar rollt das Stereo 240 „nur“ auf 24″ Laufrädern, jedoch soll es laut Cube seinen großen Geschwistern in nichts nachstehen. Der Hersteller setzt auf die gleichen konifizierten Aluminiumrohrsätze und die Federungskinematik soll ebenfalls so durchdacht sein, wie die der erwachsenen Bikes.

Das Stereo 240 ist nur in einer Größe erhältlich. Cube gibt auf der Webside an, dass das Rad für Kinder mit einer Größe von 118 – 136 cm und/oder einer Schrittlänge von 52 – 63 cm geeignet ist. Dementsprechend ist auch die Geometrie angepasst.

SITZROHR330
OBERROHR HORIZONTAL517
SITZWINKEL74
STEUERROHRWINKEL67
KETTENSTREBEN410
STEUERROHR105
RADSTAND1041
TRETLAGERHÖHE ZUR NABENACHSE10
ÜBERSTANDSHÖHE623
REACH424
STACK515

Cube Stereo 240 Ausstattung 

Das kleine Enduro Bike ist Vorne und Hinten mit  Federelementen ausgestattet die aus dem Hause Manitou stammen und kommt so auf jeweils 120mmn Federweg. Gebremst wird mit der Magura MT Thirty die über 4 Kolben an der Front und 2 Kolben am Heck verfügt. Kombiniert wird die Bremse mit 180mm und 160mm Bremsscheiben.

Cube Stereo 240 - OneCube Stereo 240 - Pro

Kinderrad

  • Rahmen: HPA Ultralight, Advanced Hydroform, Triple Butted, ETC 4-Link, ISCG Mount, 120mm travel
  • Gabel: Manitou Machete J-Unit Air, Tapered, 15x110mm, 120mm
  • Dämpfer: Manitou Radium Expert RL, 165x38mm, Rebound Adjust, Lockout
  • Bremsen: Magura MT Thirty, Front 4-Piston/Rear 2-Piston, Hydr. Disc Brake (180/160)
  • Schaltung: Microshift Advent RD-M6195M, 9-Speed
  • Gewicht: 12,6 kg (Herstellerangaben)
  • Preis: 1799 EUR

Kinderrad

  • Rahmen: HPA Ultralight, Advanced Hydroform, Triple Butted, ETC 4-Link, ISCG Mount, 120mm travel
  • Gabel: Manitou Machete J-Unit Air, Tapered, 15x110mm, 120mm
  • Dämpfer: Manitou Radium Expert RL, 165x38mm, Rebound Adjust, Lockout
  • Bremsen: Magura MT Thirty, Front 4-Piston/Rear 2-Piston, Hydr. Disc Brake (180/160)
  • Schaltung: Sram GX, 11-Speed
  • Gewicht: 12,1 kg
  • Preis: 2199 EUR

Cube Stereo

Cube Stereo 140 HPC Rookie

Das Stereo 240 konzentriert sich noch auf ganz junge Rider, während das Stereo 140 HPC Rookie doch schon was für Jugendliche ist. Das 140 HPC Rookie kommt mit einer überarbeiteten 140 mm Federungskinematik, einer angepassten Geometrie (zwei Größen) und wird aus Carbon gefertigt. Das Schaltauge ist wie bei modernen Mountainbikes typisch austauschbar. Das soll die Wartung und Reparatur ordentlich erleichtern und erspart hohe Kosten. Besonders sinnvoll, bei den jungen Wilden.

Das Stereo 140 hat aber nicht nur mehr Federweg als das 240, sondern rollt auch auf Größeren Rädern. Anstatt 24″ gibts hier 27,5″ Reifen wie bei den Großen. Dementsprechend wurde natürlich auch die Geometrie angepasst.

SITZROHR350370
13.5" / XS16" / S
Sitzrohr350370
OBERROHR HORIZONTAL546.3567.8
SITZWINKEL75.2
STEUERROHRWINKEL66.5
KETTENSTREBEN425425
STEUERROHR102107
RADSTAND1119.21141.2
TRETLAGERHÖHE ZUR NABENACHSE2021-05-15 00:00:002021-05-15 00:00:00
ÜBERSTANDSHÖHE733734.5
REACH398418
STACK587591.6

Cube Stereo140 Ausstattung 

Das Stereo 140 rollt mit 150mm Federweg an der Front und 140mm am Heck über die Trails. Die Federelemente sind ein Mix aus Marzocchi und Fox Komponenten – An der Front arbeitet die Z2 und am Heck der Float DPS.

Gebremst wird auch hier mit der Magura MT Thirty. Das heißt wir haben an der Front 4 Kolben mit einer 180mm Bremsscheibe und am Heck 2 Kolben mit ebenfalls 180mm. Das sollte den Kids einiges an Kontrolle auf dem Trail bieten.

Geschaltet wird auch wie bei den großen und zwar mit Shimano Deore Komponenten. Das vordere Kettenblatt verfügt über 32 Zähne und die Kassette hat eine Abstufung von 10 bis 51 Zähne.

Natürlich darf an einem richtigen Enduro keine Vario-Sattelstütze fehlen. Diese kommt beim Stereo 140 aus eigenem Haus. Cube verbaut hier den Dropper Post mit 100mm in der Größe XS und 120mm im S Rahmen.

Cube Stereo

  • Rahmen: HPC Carbon Monocoque Advanced Twin Mold Technology, Aluminum 6061 T6 Rear Triangle, ATG, ETC 4-Link, ISCG Mount, Boost 148, AXH
  • Gabel: Marzocchi Bomber Z2, Sweep Adjust, 150mm
  • Dämpfer: Fox Float DPS, 185×52.5mm, Open/Medium/Firm Mode
  • Bremsen: Magura MT Thirty, Front 4-Piston/Rear 2-Piston, Hydr. Disc Brake (180/180)
  • Schaltung: Shimano Deore RD-M6100-SGS, ShadowPlus, 12-Speed
  • Gewicht: 13,2 kg (Herstellerangaben)
  • Preis: 2399 EUR

Zwar könnte man jetzt sagen, dass wir in unserer Kindheit auch nicht auf solchen Rädern unterwegs waren und jetzt ganz passabel auf den Trails unterwegs sind. Aber sind wir mal ganz ehrlich. Wir hätten uns mit Sicherheit alle wie verrückt über so ein Fahrrad als Kind gefreut. Vollgefedert, coole Optik und eine solide Ausstattung wie bei den Großen.

Liebe Eltern, jetzt seid Ihr dran….

Mehr Informationen zu den Cube Stereo Modellen findet ihr auf:

www.cube.eu

 

 

TEST: Rockshox Flight Attendant – High-End Fahrwerk am YT Capra

Vor wenigen Wochen haben Sram und Rockshox das neue Flight Attendant präsentiert. Ein Fahrwerks System, dass auf die jeweilige Fahrsituation reagiert und die Compression in Echtzeit anpasst um die perfekte Fahrwerkseinstellung zu finden. Sram hat uns ein YT Capra mit Flight Attendant zur Verfügung gestellt und wir konnten das neue System ausführlich testen. Was das neue High-End Fahrwerk kann und ob der Flight Attendant hält was er verspricht, erfahrt ihr hier.

Aber was ist Flight Attendant eigentlich? Rockshox und Sram bewerben das System als „Das einzige automatische Fahrwerkssystem, das auf den Fahrer hört und in Echtzeit reagiert“. Dieses Fahrwerkssystem nutzt eine Reihe von Sensoren an Gabel, Dämpfer und im Tretlager um die Bewegung des Fahrrads „im Raum“ zu analysieren und kombiniert diese Daten mit dem Fahrerinput um das Fahrwerk automatisch anzupassen. Falls ihr euch jetzt fragt was wir mit „im Raum“ meinen – Der Flight Attendant existiert quasi in einem dreidimensionalen Raum bei dem er mit Hilfe der Sensoren immer weiß in welcher Position das Fahrrad steht. Fahren wir bergab, geben die Sensoren ein Feedback an das System, das somit weiß, dass wir bergab fahren. Das gilt auch für die seitliche Neigung und das Pedalieren. Sobald wir Input geben, signalisieren die Sensoren in Gabel, Dämpfer und Tretlager die Situation und passen Compression/Zugstufe an.

Der Flight Attendant unterschiedet aber nicht nur zwischen offen(Open) und geschlossen(Lock), sondern verfügt noch über eine dritte Stufe. Diese sogenannte „Pedal“ Stufe siedelt zwischen den beiden anderen Einstellungen an und aktiviert sich meistens in Tretstücken auf dem Trail. Bemerkbar macht sich das vor allem auf tretlastigen Enduro Passagen. Der Flight Attendant erkennt anhand des Untergrund und der Lage im Raum, dass wir uns auf einem Trail befinden und lockt das Fahrwerk deshalb nicht komplett, sondern verstellt die Druckstufe so, dass wir beim Pedalieren nicht durch Wippen Kraft verlieren.

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Flight Attendant – Preis und Verfügbarkeit

Wer sich bisher mit dem System befasst hat, weiß, dass der Flight Attendant  vorerst ausschließlich in Kompletträdern erhältlich ist. Neben dem uns zur Verfügung gestellten YT Capra Uncaged 6 Modell gibt es noch eine YT Jeffsy Variante, ein Canyon Spectral und Neuron, ein Trek Slash und ein Specialized Enduro. Wann das System einzeln erhältlich ist, können wir noch nicht sagen.

Da es hier aber nicht um die Fahrräder, sondern um das Fahrwerk geht, gehen wir nur kurz auf das uns zur Verfügung gestellte Capra ein und hoffen, dass wir euch zukünftig nochmal einen genaueren Test zum Forchheimer Enduro präsentieren können. Kleiner Spoiler – die Kiste macht echt eine menge Spaß.

YT Capra

YT Capra Uncaged 6

Das uns zur Verfügung gestellte Carbon Capra Uncaged 6 lässt keine Wünsche offen. Wir haben hier eine premium Ausstattung mit dem neuen Flight Attendant, Sram AXS X01 Eagle Schaltung, AXS Reverb Sattelstütze, Sram Code RSC und einem Crankbrothers Carbon Laufradsatz. Das Flight Attendant System am Capra befindet sich in der neuen 170mm Rockshox Zeb Ultimate, dem neuen Super Deluxe Ultimate Dämpfer und der Sram X01 DUB Kurbel.

Die Geometrie des Young Talent ist durchaus modern. Das Capra hat erst Anfang des Jahres ein Face Lift bekommen, dass wir euch hier vorgestellt hatten. Der Reach bei Größe L mit 29″ Laufrädern liegt bei 467mm und wir mit einer recht kurzen Kettenstrebe von 438mm kombiniert. Der Lenkwinkel befindet sich bei 64,2° und der Sitzwinkel bei 77,6°. Beide Winkel sind mit einem Flipchip an der Dämpferaufhängung anpassbar, jedoch haben wir die Finger davon gelassen und uns ausschließlich auf den Flight Attendant konzentriert.

Preislich befindet sich das Capra bei 8.999 Euro.

Flight Attendant

Die Unterschiedlichen Modi

Um ehrlich zu sein – Der Flight Attendant hat mehr LED Farben wie die Weihnachtsdekoration meiner Nachbarn. Das kann am Anfang ganz schön verwirrend sein. Um mit dem Setup und den Einstellungen klar zu kommen, haben wir uns erst einmal die ausführlichen Rockshox Youtube Videos angeschaut und uns dort alles erklären lassen. Diese Playlist können wir jedem Flight Attendant Besitzer ans Herz legen, da Rockshox dort wirklich viele wichtige Informationen in ihren Videos aufbereitet hat.

Bias-Modus

Wie schon am Anfang des Artikels erwähnt gibt es im Hauptmodus (Auto-Modus) gleich drei unterschiedliche Stufen – Open, Pedal und Lock. Dieser kann aber mit Hilfe des Bias-Modus zusätzlich konfiguriert werden. Um in den Bias zu kommen drücken wir am Hauptsensor an der Gabel auf den Menü Button des Moduls bis die LEDs Lila leuchten. Nun können wir dem System sagen, dass es entweder die Open oder die Lock Funktion bevorzugen soll. Von Werk aus ist das System in der neutralen Bias Position. Drücken wir nun auf Minus können wir -1, oder -2 Schritte in Richtung Open gehen. Somit wird das System die Offene Stellung im Auto-Modus bevorzugen. Drücken wir auf Plus (+1, +2) können wir dem System sagen, dass es die Pedal und Lock Stufe bevorzugt.

Diese Einstellung kann man jederzeit an der Gabel und mit der AXS Mobile App anpassen. Das gilt auch für die folgenden Modi.

Manueller-Modus

Falls ihr den Auto-Modus mal deaktivieren wollt und manuell durch die Stufen schalten wollt, könnt ihr das mit diesem Modus machen. Den Modus könnt ihr ebenfalls über die Menü Taste aktivieren und dann entweder am Control Modul an der Gabel zwischen den Stufen switchen, oder nutzt dafür den AXS Hebel an der linken Seite des Lenkers. Über diesen könnt ihr übrigens auch dien Sattelstütze bedienen.

Override Modus

Nehmen wir an ihr wollt beim Start in den Trail sprinten. Dafür könnt ihr den Override Modus nutzen um euch sicher zu sein, dass ihr genau den passenden Modus für die Situation habt. Den Override Modus könnt ihr wahlweise auf Open, Pedal und Lock setzen und belegt dann eine der AXS Controller Tasten mit der gewünschten Stufe. Sprintet ihr nun in den Trail, haltet ihr diese Taste kurz gedrückt und könnt sobald es wieder auf der Strecke knallt den Modus deaktivieren und seid wieder im Auto-Modus.

Druckstufeneinstellung

Den Rebound/Zugstufen könnt ihr wie bei den klassischen Rockshox Gabel auf der Unterseite des rechten Trauchrohrs einstellen. Für die Low-Speed- und High-Speed-Compression müsst ihr jedoch das Control Modul oder die AXS App nutzen. Beide Druckstufen lassen sich in 10 Stufen auf euer gewünschtes Setup einstellen. Ein Vorteil zum klassischen einstellen über das Rädchen auf der Gabel ist, dass ihr nun genau sehen könnt wie viele Clicks ihr verwendet habt.

AXS App

Die Sram AXS App

Wie eben schon erwähnt ist auch der Flight Attendant mit der AXS App kompatibel. Neben den klassischen Angaben wie Akkustand und die Anzeige der gekoppelten Geräte kann man hier nun auch den Flight Attendant konfigurieren. Nachdem wir das System gekoppelt hatten und alle Komponenten mit dem Herzstück (Control Modul an der Gabel) verbunden hatten, konnten wir auf das System zugreifen und den Bias-Modus und die Druckstufen einstellen.

Wie auch schon von den anderen Komponenten bekannt, kann man die Controller nach eigenem Geschmack belegen. Wir haben die Schaltung natürlich auf den rechten Controller und den Flight Attendant, sowie die Reverb Sattelstütze auf den linken Controller gelegt. Wer mag, kann hier noch das Hoch- und Runterschalten auf seine bevorzugten Tasten legen.

Tipp: Beim koppeln der Komponenten unbedingt den Schritten aus dem Sram AXS App Guide folgen. Das vermeidet einiges an Stress und Verzweiflung.

Das neue Fahrwerk – Ein Traum mit neuen Features

Rockshox hat den Flight Attendant nicht nur in vorhandene Komponenten integriert, sondern das Fahrwerk ordentlich überarbeitet. Das zählt für die Ultimate Modelle der Pike, Lyrik und Zeb. Interessant ist auch, dass die Gabeln nun noch mehr auf ihren Einsatzbereich zugeschnitten sind. Heißt: ihr braucht eine Enduro Gabel – Die Zeb ist das richtige für euch und wird nun in den passenden Federwegs-Längen erhältlich sein. Wollt ihr jedoch eine Lyrik für den Enduro Einsatz mit 180, oder sogar 190mm Federweg nutzen, gibt es diese Zukünftig nicht mehr mit so viel Federweg. Rockshox will damit erreichen, dass ihr für den jeweiligen Einsatz die beste Performance bekommt.

Aber was ist neu an der Gabel? Die Internals und das Chassis der Gabeln wurden überarbeitet. Markant ist, dass Rockshox nun auch auf Pressure-Valves setzt. Falls ihr mal ungewünschten Druck im System habt, könnt ihr diesen nun über die Ventile ablassen. Andere Hersteller haben dieses System schon länger verbaut und wer schon einmal in den Genuss dieser Funktion kam, weiß wie gut sich die Gabel nach ablassen des Drucks wieder anfühlt.

Dazu kommt, dass die Internals überarbeitet wurden. Die sogenannten Buttercups sind Pucks aus vibrationsreduzierendem Material mit niedriger Amplitude. Diese ButterCups sollen 20% der unerwünschten Vibrationen filtern, bevor sie deine Hände erreichen. Die goldenen Aufnahmen am Ende des Dämpfers und der Luftfeder halten zwei Gummipucks, die die hochfrequenten Vibrationen absorbieren, bevor sie durch die Gabel in den Lenker gelangen.

Patrick Sturm

Der Flight Attendant im Einsatz und wie wir uns geirrt haben

Konfigurieren und Setup finden

Zuerst pumpt man das Fahrwerk auf den gewünschten Druck auf um den passenden Sag zu bekommen. Den Rebound sollte man nun auch schon einstellen und dann erst die Komponenten miteinander koppeln. Sobald alles miteinander verbunden ist, blinkt das Led am Hauptmodul rot. Darauf drückt man den Plus und Minus Knopf gleichzeitig bis das System weiß blinkt. Nun stellt man sich auf das Rad damit der Federweg im gewollte Sag steht und drückt dann wieder die Tasten. Darauf folgen ähnliche Schritte, damit der Flight Attendant weiß wo sich die Komponenten im Raum befinden.

Hat man das erledigt, kann man per App und über das Hauptmodul das gewünschte Setup einstellen. Der Bias-Modus und die Druckstufen lassen sich auch sehr angenehmen per App konfigurieren.

YT Capra

Auf dem Trail

Wer schon mit AXS Komponenten unterwegs war, kennt das markant elektronische quieken der Motoren in Schaltung und Sattelstütze. Der Flight Attendant ist da jedoch noch etwas lauter und braucht eine kleine Eingewöhnungsphase. Nach wenigen Metern, fällt einem das mechanische Geräusch jedoch kaum noch auf.

Vor allem am Anfang verleitet es einen recht häufig auf die Gabel zu schauen um zu sehen was das System macht und in welchem Modus wir uns befinden. Im Uphill springt das System direkt in den Lock Modus und sorgt mit Hilfe der Druckstufen für ein straffes Fahrwerk, das nicht wippt und die Kraft ordentlich überträgt. Sobald es dann auf den Trail geht, springt die Led von Lock auf Open und stellt uns die volle Performance der neuen Ultimate Komponenten zur Verfügung.

Auf den Enduro Trails am Geisskopf gibt es die ein oder andere Sektion die recht tretlastig und flach ist. Hier springt der Flight Attendant in den Pedal Modus. Dadurch haben wir eine Mischung aus den offenen und geschlossenen Stellung. Die Pedal Position hat uns tatsächlich am meisten begeistert. Dadurch, dass das Fahrwerk nun immer noch Unebenheiten wegschlugt, aber durch die angepasste Druckstufe genügend Feedback beim pedalieren auf den Untergrund bringt, kommen wir auch mit 170mm Federweg ausgesprochen gut voran. Und das alles ohne selbst drüber nachdenken zu müssen, oder einen Hebel bedienen zu müssen.

Was wenn die Akkus mal leer gehen? Dann springt das System einfach in die offene Stellung. Tatsächlich sind aber alle AXS Akkus untereinander austauschbar. Wenn es also wirklich nötig ist, könnt ihr den Akku eurer Sattelstütze auch in die Gabel stecken und könnt somit im Lock-Modus nach Hause strampeln.

Wir haben uns geirrt

Als Rockshox das System präsentiert hat, waren wir tatsächlich nicht auf Anhieb begeistert. Noch mehr Elektronik am Fahrrad, ein Fahrwerk, dass „nur“ über einen Lock verfügt und so weiter. In unserem Artikel zum Launch konnten wir uns das System vor allem im Crosscountry Bereich vorstellen. Da haben wir uns aber total geirrt. Nach der ersten Auf- und Abfahrt waren wir geschlossener Meinung und absolut Positiv überrascht.

Flight Attendant

Das Fazit zum Flight Attendant

Schon nach der ersten Runde am Geisskopf war uns klar wie schnell und flüssig das System arbeitet. Sobald wir in den Trail fahren, springt der Flight Attendant in die Offene Stellung, müssen wir zwischendurch treten, gehts in die Pedal-Stellung und sobald wir wieder bergauf fahren und im Sattel Sitzen sperrt sich das Fahrwerk. Es braucht erschreckend wenig Input damit das System weiß was es zu tun hat und es regelt die Modi extrem präzise und realistisch.

Das neue Ultimate Fahrwerk ist ein Traum. Die 170mm Rockshox Zeb und der 165mm Superdeluxe Dämpfer arbeitet extrem geschmeidig und verpassen dem Capra eine ordentliche Prise Pop auf flowigen Strecken und exzellente Performance in ruppigen Passagen.

Wir sind uns auch sicher, dass wir mit 170mm Federweg nicht so entspannt den Berg hinauf getreten wären. Der Flight Attendant sorgt auf eine gewissen Art und Weise dafür, dass sich ein Enduro-Bike bergauf eher wie ein Trail-Bike treten lässt und entfaltet erst bergab die komplette Leistung des Capra. Natürlich kann man seinen Dämpfer für weniger Geld auch per Regler oder Schalter locken, aber der Flight Attendant macht diese Situation intuitiv und wir können uns einfach nur aufs Radfahren konzentrieren.

Natürlich hat das ganze seinen Preis. Aktuell sind die Flight Attendant Komponenten noch nicht einzeln erhältlich und nur in Kompletträdern verfügbar, aber das wird sich in den nächsten Monaten bestimmt ändern. Für uns war der Flight Attendant durchaus noch ein Highlight zum Abschluss der Saison.

Patrick Sturm

www.sram.com